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Hot Yoga - ist es den Aufwand wirklich wert? Studien und Erfahrungen zu den Benefits von Hot Yoga.

Yoga ist nicht gleich Yoga! Es dauert meistens eine Weile, bis man sich als Praktizierender dessen bewusst wird... Die Yogastile und Yogalehrer sind sehr verschieden sowohl in ihrer Kompetenz, Persönlichkeit, als auch der Ausführung und Wirksamkeit der verschiedenen Yogastile auf Psyche und Körper. Du solltest, wenn du regelmäßig Yoga machen möchtest, dir genau überlegen welcher Stil für dich geeignet ist und wo du die für dich meisten Benefits bekommst!





Ich startete in den 90er Jahren mit Ashtanga Yoga - einer Yogarichtung, die von Dogma, Hierarchie und Disziplin geprägt ist und deren Oberhaupt Pattabi Jois im Rahmen von #metoo - so wie quasi alle Yoga-Gurus - in Ungnade gefallen ist. Ursprünglich für pubertierende und sehr junge Männer konzipiert, sollen die Yogaserien den Körper ermüden, um danach ein Sitzen in Contemplation und Meditation zu ermöglichen. Beim Ashtanga gibt es drei Asanaserien, die strikt und ohne viel Ausweichmöglichkeiten oder Adaptionen praktiziert werden. Zudem begleitet der Achtstufige Pfad als umfassendes philosophisches System, den Yogi, aber meist kommt es soweit gar nicht, da die Praktizierenden beim puren Hatha (also Körper-) Yoga bleiben. In Österreich war Ashtanga lange Zeit die am meisten verbreitete Yogarichtung und das ist auch der Grund, warum ich damals damit anfing. Für meinen Körper, meine Konstitution - wie ich heute weiß, NICHT das geeignete Yoga.


Als ich 2003 mit Hot Yoga begann, war es in Europa noch eine Guerilla Yogadisziplin und galt nicht als 'echtes' Yoga (🙄 heute sind ganz andere Auswüchse unter dem Begriff Yoga eingeordnet.) Bikram Yoga wurde sehr streng (38-40 Grad, kein Verlassen des Raumes, kein Wasser in der Klasse, 3 Stunden vorher nichts essen, keine Adaptionen der Übungen, immer die gleich Abfolge der Übungen ohne Spielraum...) unterrichtet und Disziplin war oberstes Gebot.


Bikram Yoga gibt es in Amerika seit den frühen 70er Jahren. Nachdem ich im Rahmen eines mehrjährigen Amerikaaufenthalts zu Bikram, also Hot Yoga wechselte, machte ich auch bald die Bikram Yogalehrerausbildung in Los Angeles und ließ mich die ersten Jahre richtig schön auf die vorgegebenen Argumente und das Narrativ von Bikram Choudhury (dem Gründer des Hot Yoga) ein: No pain, no gain! The only way to heaven leads through hell! It's my way or the highway...


Hat man als frischg'fangte Yogalehrerin noch Bedarf an Guidance und Halt, jemandem, der einem erklärt wo's langgeht, entwuchs ich und somit auch mein Yogastudio (damals hieß es Bikram Yoga College Vienna) bald der Indoktrinierung der Strenge und unpassenden Härte.


Bitte nicht falsch verstehen - ich bin absolut kein Verfechter von: Mach wie du willst, was du willst, und worauf immer du Lust und Laune hast Yoga! Ein Ziel, Klarheit, Disziplin und Kontinuität sind im Gegenteil sicher wichtige Säulen einer sinnvollen Praxis, genauso wie seine persönlichen Grenzen auszuloten und sich an sie heranzutasten. Aber eben immer ohne unfreundlich zu werden oder noch mehr Druck auszuüben!


So habe ich nach beinahe 20 Jahren Unterrichtserfahrung (und vielen weiteren Yoga, Körper- und Energiearbeitsausbildungen) die Wärme beim Hot Yoga etwas reduziert und mich auch von einem übertriebenen körperlichen Alignment verabschiedet, Adaptionen sind teilweise sogar nötig. Auch das Yoga in der Masse, also der großen Gruppe sehe ich nicht mehr generell als zielführend...


Es ist wirklich jeder Körper anders und braucht auch einen anderen, individuellen Zugang. Hot Yoga, also Yoga mit Wärme ist wichtig und gut - einige der Benefits liste ich auch gleich hier unten auf. Aufmerksamkeit und behutsame Führung eines guten Yogalehrers ist aber vielleicht einer der wichtigsten Aspekte beim Yoga.


Es zählt, was langfristig wirkt!


Schon seit vielen Jahrzehnten hat sich die Praxis im warmen Raum bewährt. Nur weil Studien zeigen, dass etwas wirkt, wissen wir dennoch nicht automatisch was genau daran wirkt. Ist es die Wärme, die Zuwendung, das Atmen? Sicher ist, dass die Qualität des Verhältnis und die Collaboration zwischen dem Lehrer und dem Schüler einen Effekt hat. Die Fähigkeit des Lehrers zu Empathie, Wärme, Achtsamkeit und Resilienz sind ausschlaggebend, ob du dich in einer Klasse wohlfühlst und auch den höchstmöglichen Benefit mitnehmen kannst! Ein weiterer wichtiger Faktor zur Effektivität einer Methode ist die Bereitschaft des Lernenden zur Veränderung. Soll heißen - ist deine innere Haltung passend, hast du einen Willen dazu etwas in deinem Leben zu verändern, zB weil dein Leidensdruck zu hoch wird, dann ist dir der Erfolg schon fast sicher! Alles ist wichtig, was aktiviert und Hoffnung auf Verbesserung gibt!


Wie können wir das jetzt aufs Hotyoga ummünzen?


Zuerst noch kurz zur Definition - Hotyoga ist Hatha-Yoga (Körperübungen) in einer Umgebung, wo die Raumtemperatur bewusst höher gehalten wird, als üblich. Zwischen 30 und 40 Grad ist alles möglich, wobei es je nach Temperatur unterschiedliche Benefits, aber auch Nachteile gibt... Ich konzentriere mich hier aber jetzt ausschließlich auf die Benefits und Vorteile des Hotyoga, die nur zum Teil auch bei anderen Yogastilen beobachtet werden können. Also sei gespannt und staune, was der Aufwand alles bringt! Diese Liste der Vorteile ist mit Sicherheit nicht komplett und beruht teils auf die Erkenntnis von Studien, aber auch auf die jahrzehntelange Erfahrung und die Rückmeldungen tausender Yogis.


Flexibilität

Einen warmen Muskel zu bewegen und zu dehnen ist leichter und sicherer als einen Kalten. Durch die Wärme wird das Bindegewebe, die Faszien, die Muskulatur sowie Bänder und Sehnen in kürzerer Zeit entspannt. Dadurch werden die Positionen zugänglicher und ein sicheres Praktizieren möglich. Eine Studie aus dem Jahr 2013 zeigt, dass die Teilnehmenden nach 8 Wochen Hotyoga eine höhrere Flexibilität auf weisen, als die Kontrollgruppe.


Loslassen und Entgiftung

Durch das Schwitzen und die Wärme fällt es deinem Körper leichter Blockaden aufzulösen und auch emotionale Themen loszulassen. Es erfolgt auch eine stärkere Entgiftung - über die Ausatmung und den Schweiß werden Gifte abtransportiert. Hot Yoga verbrennt zudem mehr Kalorien, als eine nicht geheizte Yogaklasse. Auch dazu gibt es eine Studie von der Colorado State University.


Kreislaufverbesserung und Stressreduktion

Es ist belegt, dass Yoga im warmen Raum sich stark positiv auf deinen allgemeinen Kreislauf auswirkt. Die Durchblutung im ganzen Körper wird erhöht und gepaart mit der Atmung erfolgt dadurch eine verbesserte Versorgung der Bereiche mit Sauerstoff. Das wirkt sich positiv auf die cardiovaskuläre Gesundheit aus. Hot Yoga trägt zur Verbesserung des Allgemeinzustands bei, die Lebensqualität im Bezug auf die Gesundheit steigt markant an. Stressinduzierte Symptome reduzieren sich.


Knochendichte

Die Arbeit mit dem eigenen Gewicht und das Praktizieren von Hot Yoga kann sich positiv auf die Knochendichte bei älteren Erwachsenen besonders bei pre - und postmenopausalen Frauen auswirken.


Stimmungsaufhellung

Yoga ist allgemein dafür bekannt stimmungsaufhellend zu wirken und die Laune zu verbessern. Das scheint daher zu kommen, dass Yoga die Aktivität eines Aminosäure-Neurotransmitters erhöht: die Gamma-Amino Buttersäure, kurz GABA genannt. Die GABA ist assoziiert mit Stimmung, Angst und Schlaf. Ich beziehe mich hier auf eine Studie, die ergeben hat, dass erhöhtes GABA zeitlich begrenzt nach einer Yogastunde wirkt. Das heißt die Yogapraxis ist wirklich mit einer Art antidepressiven Verschreibung, einer Dosis, einer Pille vergleichbar, die, wenn man sie nimmt, auch wirkt. Die Evidenz wächst, dass Yoga mit der Abnahme von depressiven Symptomen assoziiert ist.


Hot Yoga, aber jede Art der körperlichen Ertüchtigung kann, muss aber nicht starke positive Auswirkungen auf deinen Körper und deine Psyche haben. Wichtig ist deinen Common Sense nicht zu vergessen - komme gut hydriert in eine Klasse, fühlst du dich während der Praxis schwindlig oder unwohl, dann mach eine Pause, hast du Schmerzen, geh weniger tief in die Position. Gib aber vor allem nicht gleich auf - die Benefits und Effekte sind meistens nicht nach der ersten Hot Yogastunde zu spüren, sondern es braucht einfach eine gewisse Konsistenz und Regelmäßigkeit um in den Genuß derselben zu kommen. Eigentlich eh logisch...


Last but not least ist Hot Yoga eine Yogaart, die man nicht so einfach zu Hause probieren kann, da das Aufheizen des Raumes für gewöhnlich nicht geht. Daher ist es sinnvoll in die eigens dafür konzipierten Studios und Yogaschulen zu gehen. Der Sacred Space in Klosterneuburg bietet in kleinem Rahmen - boutiquestyle - warme Yogastunden an. Du profitierst hier von meiner Erfahrung und dem sicheren Praktizieren in der Kleingruppe. So darf ich diesen Artikel mit den Worten einer ehemaligen Yogaschülerin, jetzt Yogalehrerin und Freundin schließen:

Im Hot Room wie auch im Leben hält Kathi einen wundervollen, sicheren Raum für einen, in dem man sich gut behütet und geborgen fühlt. Das ist sicher kein 0815 - Yogaunterricht, sondern eine einzigartige Verbindung zwischen Lehrer und Schüler ... besser gesagt von Mensch zu Mensch.







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